Aktuelles

17. Jahrestreffen der „Lebensborn“kinder in Deutschland in Wernigerode

Vom 22. bis zum 24. Oktober 2021 fand in Wernigerode  das 17. Jahrestreffen der „Lebensborn“kinder in Deutschland in Wernigerode statt. Mit einer würdigen Eröffnungsveranstaltung wurden zunächst nach einer zweijährigen Corona bedingten Zwangspause die Teilnehmer begrüsst und anschließend mit einem kleinen Rückblick auf das 15jährige Vereinsjubiläum zurückgeschaut. Das Jubiläum konnte 2020 nicht begangen werden. Es gab einige Ehrungen für Mitglieder sowie Unterstützer des Vereins. Schirmherr des Treffens war in diesem Jahr der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Herr Dr. Reiner Haseloff. Da er leider aus terminlichen Gründen nicht anwesend sein konnte, hatte er eine Videobotschaft übersandt. Die Übernahme der Schirmherrschaft durch ihn ist für den Verein eine Anerkennung des Engagements in den zurückliegenden Jahren. Zu Gast waren in diesem Jahr auch zwei Vertreter der Vereinigung „Distelblüten – Russenkinder ind Deutschland“ sowie drei Mitglieder der  „Interessengemeinschaft der gestohlenen Kinder in der DDR“. Beide gestalteten  inhaltlich die Veranstaltungen. Insbesondere zu der Samstagsveranstaltung in der Remise „Gestohlene Lebenszeit“ hatte der Verein wieder die Öffentlichkeit einladen wollen. Doch leider wurde in diesem Jahr durch die lokalen Medien nicht auf die Veranstaltung hingewiesen. Nur durch Mund zu Mund Propaganda und Plakate konnten Interessierte von der Veranstaltung erfahren. Diese war dann gut besucht und es blieben lediglich zwei Stühle leer. Für den Verein ein Beleg für das Interesse an diesem in der breiten Öffentlichkeit noch recht unbekannten Thema. Für die Besucher öffnete sich ein anderer neuer Blick auf die in der DDR propagierte Kinderfürsorge und Bild der glücklichen Familie als wichtiger Schwerpunkt gesellschaftlicher Entwicklung in der DDR.
Im Rahmen der Treffens haben die Mitglieder wichtige Entscheidungen für die Zukunft des Vereins diskutiert und getroffen. Der Verein wird ausgehend von seinen Erfahrungen bei der Identitätssuche, gegenseitigen Hilfe bei der Verarbeitung gewonnener Erkenntnisse und geschichtlichen Aufarbeitung sich anderen Betroffenengruppen öffnen, bei denen es auch zur politisch oder ideologisch motivierten zwangsweisen Trennung von Kindern und Müttern/Eltern kam. Mit einem gemeinsamen Abend in gemütlicher Atmosphäre und einer Kremserfahrt am Sonntagvormittag klang das Jahrestreffen aus.

 

Nachruf

Mit tiefer Bestürzung haben wir vom Tod unseres ehemaligen Mitgliedes und Schatzmeisters
Detleff Nordt
erfahren, der bereits am 12.11.2020 in Jena verstorben ist.

Detleff Nordt  (30.03.1944 – 12.11.2020)

Im März 1944 in Bad Polzin geboren, wuchs er nach dem Krieg in Thüringen zunächst bei seinen Großeltern auf. Die Mutter, berufstätig in anderen Orten, kam zum Wochenende. Wie so viele der „Lebensborn“kinder erfuhr er erst spät von seiner Geburt im „Lebensborn“heim in Bad Polzin. Er musste selbst ganze 10 Jahre suchen und nachforschen, bis er im Alter von 60 Jahren die Gewissheit darüber hatte. Seine Mutter war nicht bereit, über die Geburt oder zum Vater Auskünfte zu geben. Dennoch kümmerte auch er sich um seine Mutter, nahm sie im eigenen Haus auf und pflegte diese.

Erst nach 2005 konnte er die Identität des Vaters herausfinden, der allerdings bereits 1970 verstorben war. Doch er ließ er es sich nicht nehmen, einmal an dessen Grab zu stehen, um Abschied von dem unbekannten Vater zu nehmen. Er hatte diesen verloren, ohne ihn kennengelernt zu haben, aber zugleich einen Halbbruder gefunden.
Mit Detleff Nordt verlieren wir nicht nur einen äußerst engagierten, sondern auch stets korrekten und freundlichen Menschen, der in der Lage war, andere mitzureißen und mit seiner sachlichen und absolut korrekten Arbeitsweise im Verein Impulse zu geben. Mit Akribie und Sorgfalt kümmerte er sich von 2010 bis 2016 um die Finanzen  unseres Vereins. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.

 

Buchempfehlungen

 

Julia Drosten.
Denn die Hoffnung endet nie.
Historischer Roman. Paperback. 395 Seiten
Independently published, ISBN: 9798502772624
Mai 2021

Es ist das Jahr 2020. Im kleinen Badeort Heringsdorf freut sich die vierundneunzigjährige Hermine Voßberg mit Sohn Artur und Schwiegertochter Karin auf ihre Lieblings-sendung „Bares für Rares“. Während der Sendung findet der Experte dann in einem Geheimfach eines antiken Sekretärs einen silbernen Becher. Eine in den Becher eingearbeitete Gravur bringt Hermine aus dem Gleichgewicht und sie bricht in Tränen aus. Die Inschrift lautet: „Für Wolfgang. 7. Oktober 1944. Vom Patenonkel Heinrich Himmler“. Dieser Becher und auch die Besitzerin,die diesen Sekretär als antiken Gegenstand zum Verkauf anbieten sind
es, die die Mauern des jahrzehntelangen Schweigens zum Bröckeln bringen und sie gibt dem Drängen des Sohnes nach und beginnt ihm ihre und zugleich seine Geschichte zu erzählen. In kurzweiligen und dennoch spannend gehaltenen Kapiteln zwischen Vergangenheit und Gegenwartsbezug
wird die Vergangenheit zweier Frauen aufgezeigt, die das Schicksal zu eigentlich zu Feindinnen bestimmt hat. Doch in den Wirren des Zweiten Weltkrieges werden sie zu Verbündeten im Kampf ihre Kinder, die ihnen ein unmenschliches System wegnehmen will. Anfangs ist es nur ein Pakt, in dessen Verlauf sich die beiden Frauen näherkommen und die ideologischen Mauern, die beide anfangs umgeben, fallen.

 

Ingrid von Oelhafen, Tim Tate
Hitlers vergessene Kinder
Auf der Suche nach meiner Lebensborn-Vergangenheit
Deutsche Erstausgabe
Übers.: Blank-Sangmeister, Ursula
geb. mit Schutzumschlag. Format 15 x 21,5 cm
Reclam-Verlag 2020
239 S. 18 Abb.
ISBN: 978-3-15-011255-7

Im »Dritten Reich« wurden durch die SS-Organisation »Lebensborn« zahlreiche Kinder aus den besetzten Ländern Europas verschleppt – um von regimetreuen Familien in Deutschland adoptiert und aufgezogen zu werden. Der Nachwuchs sollte etwaige Kriegsverluste der deutschen Bevölkerung ausgleichen. Ingrid von Oelhafen erfährt erst sehr spät, dass auch sie eines dieser Lebensborn-Kinder war. Nach dem Tod ihrer Pflegemutter macht sie sich auf die Suche nach ihrer wahren Identität. Über lange Jahre scheitert sie, nicht zuletzt aufgrund der wenig entgegenkommenden Behörden. Endlich findet sie heraus, dass sie einer jugoslawischen Familie entrissen wurde – doch das wirft neue Fragen auf. Eine spannende Spurensuche und zugleich ein Lehrstück über den Umgang mit einem wenig aufgearbeiteten Teil der NS-Geschichte.

 

Gisela Heidenreich (Hg.)9783861539773
Born of War – Vom Krieg geboren. Europas verleugnete Kinder
Ch. Links-Verlag November 2017
Hardcover, 13,5 x 21,0 cm
368 Seiten und 35 Abbildungen
ISBN: 978-3-86153-977-3
Als sich die Wehrmacht gegen Ende des Zweiten Weltkriegs aus den von ihr besetzten Ländern zurückzog, hinterließ sie nicht nur Tod und Zerstörung, sondern auch Hunderttausende von Kindern, die deutsche Soldaten mit einheimischen Frauen gezeugt hatten. Die Frauen wurden von ihrer Umgebung meist geächtet und nicht selten härter bestraft als Kollaborateure. Doch was ist aus den Kindern geworden? In diesem Buch erzählen  Menschen  aus ganz  Europa von ihrem Leben als  »Kinder des Feindes«.  Sie berichte von der  schwierigen  Beziehung zu ihren Müttern,  die ihnen oft ihre wahre Herkunft verschwiegen.  Und von der mühsamen  Suche nach den Vätern,  die  von  der Existenz  ihrer Kinder  bisweilen nichts wussten –  oder auch später  nichts wissen wollten.  Darüber hinaus  schildern Deutsche,   die in  »Lebensborn« – Heimen  zur Welt kamen,   ähnliche Erfahrungen.   Es sind  zutiefst  bewegende Geschichten  über  Zurückweisung und  Misshandlung, Unsicherheit  und  Scham sowie  die schmerzhafte  Suche  nach  der eigenen Identität.  Aber bisweilen auch über das Glück,  spät noch eine zweite Familie zu finden.  Ergänzt wird das Buchdurch Einführungen in die historischen Zusammenhänge.

 

Nordrach-BuchDorothee Neumaier
Das Lebensbornheim „Schwarzwald“ in  Nordrach
Tectum-Verlag 2017
Hardcover

743 Seiten
ISBN-Nummer 978-3-8288-3960-1
Preis: 49,95 €

Unser Vereinsmitglied, Dr. Dorothee Neumaier hat Ihre Dissertation zum Lebensbornheim  „Schwarzwald“  über den Tectum-Verlag veröffentlicht.  In diesem Buch wird nicht nur ein umfassender Einblick in das Heim gewährt, sondern auch immer wieder der Kontext zum Gesamtbild des Lebensborn hergestellt. Neben dem Alltag werden auch die ganz verschiedenen  Lebenswege der Schwestern und Ärzte aufgezeigt.  Schließlich wurde auch der Umgang des Ortes Nordrach mit seiner  Geschichte nach 1945 nicht ausgespart. Es ist alles in allem eine lesenswerte Lektüre mit vielen neuen Erkenntnissen zu dem „Lebensborn“heim und den handelnden Personen. Trotz der Schwierigkeit des Themas ist es sehr verständlich geschrieben und enthält im Anhang sehr viele detaillierte Information zu Geburten, Müttern und deren Versorgung. Ein sehr empfehlenswertes Buch.
Die Autorin hat ein Exemplar dem Verein zur Verfügung gestellt.

 

Buchcover_LudwigAstrid Eggers und Elke Sauer (Hg.)
VERSCHWIEGENE OPFER DER SS. Lebensborn-Kinder erzählen ihr Leben
Engelsdorfer Verlag Leipzig 2015
Paperback, 14,7 x 20,7
227 Seiten
ISBN: 978-3-95744-570-4
12,00 €

Im Auftrag des Vereins „Lebensspuren e. V. erschien im Frühjahr 2015 dieses Buch. Herausgegeben wurde es von zwei Mitgliedern, die auch selbst ihre eigene Geschichte hierin erzählen Das Besondere an diesem Buch ist vor allem die Unverfälschtheit der Wiedergaben jeder einzelnen Lebensgeschichte – sie wurden alle von den Lebensbornkindern geschrieben und dann nur auf Schreib- oder ähnliche Fehler redigiert. Der unterschiedliche Sprachstil der 16 Lebensbornkinder, die hier berichten, sollte bewusst erhalten bleiben. Dieser entspricht der Vielfalt der einzelnen Schicksale, die andererseits über verschiedene deckungsgleiche Teile ihrer Lebensgeschichte verfügen.
Das Buch enthält einem  Beitrag von Dr. Georg Lilienthal.   In  „Der „Lebensborn e. V.“  und seine Folgen ist eine nüchterne Sachdarstellung zum Lebensborn,  seiner Funktion und seiner Wirkung.  Außerdem ist ein  einleitender  Artikel von Matthias Meißner über den Verein  „Lebenspuren e.V.“  den 16 Darstellungen der Schicksale vorangestellt.  Das Buch kann auch über die Geschäftsstelle, Veckenstedter Weg 43, in 38855 Wernigerode,oder den 1. Vorsitzenden bezogen werden.

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