Aktuelles, Veranstaltungen, Neuerscheinungen

Aktuelles, Termine und Wissenswertes rund um das Thema “Lebensborn”

Hinweis: 15. Jahrestreffen der Lebensbornkinder in Deutschland  vom 01.-03.06.2018 in Wernigerode

In der Zeit vom 01. bis zum 03. Juni 2018 findet in Wernigerode das 15. Jahrestreffen der Lebensbornkinder in Deutschland statt. Dieses steht unter der Schirmherrschaft des Wernigeröder Oberbürgermeisters, Peter Gaffert. Neben den traditionellen Begegnungen zwischen Lebensbornkindern und Schülern in einigen Schulen am Freitagvormittag sowie dem internen Beratungsteil wird es auch wieder eine öffentliche Veranstaltung geben.

Prof. Dr. Angela Moré

Prof. Dr. Angela Moré – Leibnitz-Universität Hannover

In diesem Jahr konnte als Referentin Frau Prof. Dr. Angela Moré verpflichtet werden. Thema Ihres Vortrages ist die Ideologie und Praxis des Lebensborns in ihren Auswirkungen auf die
Lebensborn-Kinder und deren Nachkommen
. In einem von Menschenverachtung geprägten politischen System sind die Kinder regelmäßig ebenfalls Opfer von Willkür, Fremdbestimmung und
Verletzung ihrer Bedürfnisse und Rechte. Die Ideologie des Lebensborn war nicht an Menschen, sondern an der Produktion von Repräsentanten der idealisierten „arischen Rasse“ interessiert. In der
alltäglichen Praxis ging es nicht um das Kindeswohl, sondern um die Umsetzung nationalsozialistischer Erziehungswerte. Dafür wurden Kinder selektiert, geraubt und im Rahmen einer elitären Auslese
in ein Programm aufgenommen. Sie wurden behandelt wie Gegenstände, die man formt und dressiert oder willkürlich „verschenkt“ (wobei im Prinzip alle Menschen in Diktaturen von dieser Arroganz
der Macht betroffen sind). Das Bedürfnis von Kindern nach Geborgenheit und festen Bindungen wurde ignoriert, stattdessen wurden Disziplin und Unterwerfung verlangt.

   Nach 1945 wurden die Lebensborn-Heime aufgelöst und die Kinder zur Adoption weg gegeben oder in Heimen untergebracht. Manche erfuhren nie, wer ihre Eltern sind. Sie fühlten sich verraten,
verlassen und innerlich oft leer und wertlos. Diese emotionale Ausgangslage hat sich auch in der Beziehung zu ihren eigenen Kindern gespiegelt und später ebenso die Beziehungen der Kinder zu deren
Kindern geprägt, jedoch in einer meist unerkannten Weise.
Für die Nachkommen ist es oft schwer, bestimmte Seiten der Eltern bzw. Großeltern zu verstehen. Vielmehr versuchen sie, der unbewusst ererbten Scham über deren Herkunft zu entkommen, indem sie
diese ausblenden. Aber nur die bewusste Aneignung und Auseinandersetzung mit diesem Teil der eigenen Geschichte ermöglicht es, aus dem fatalen Kreislauf von Scham, Abwehr und Schuldgefühlen
auszusteigen.

Gäste zu diesem Vortrag am Samstag, den 02.06.2018 in der Remise des Kunst-und Kulturvereins Wernigerode herzlich willkommen. Die ca. 1  1/2 stündige Veranstaltung beginnt um 15.00 Uhr.

 

Neuerscheinung im November 2017

Gisela Heidenreich (Hg.)9783861539773
Born of War – Vom Krieg geboren. Europas verleugnete Kinder
Ch. Links-Verlag November 2017

Hardcover, 13,5 x 21,0 cm
368 Seiten und 35 Abbildungen
ISBN: 978-3-86153-977-3

Als sich die Wehrmacht gegen Ende des Zweiten Weltkriegs aus den von ihr besetzten Ländern zurückzog, hinterließ sie nicht nur Tod und Zerstörung, sondern auch Hunderttausende von
Kindern, die deutsche Soldaten mit einheimischen Frauen gezeugt hatten. Die Frauen wurden von ihrer Umgebung meist geächtet und nicht selten härter bestraft als Kollaborateure. Doch
was ist aus den Kindern geworden?

In diesem Buch erzählen  Menschen  aus ganz  Europa von ihrem Leben als  »Kinder des Feindes«.  Sie berichte von der  schwierigen  Beziehung zu ihren Müttern,  die ihnen oft ihre wahre
Herkunft verschwiegen.  Und von der mühsamen  Suche nach den Vätern,  die  von  der Existenz  ihrer Kinder  bisweilen nichts wussten –  oder auch später  nichts wissen wollten.  Darüber
hinaus  schildern Deutsche,   die in  »Lebensborn« – Heimen  zur Welt kamen,   ähnliche Erfahrungen.   Es  sind  zutiefst  bewegende Geschichten  über  Zurückweisung und  Misshandlung,
Unsicherheit  und  Scham sowie  die schmerzhafte  Suche  nach  der eigenen Identität.  Aber bisweilen auch über das Glück,  spät noch eine zweite Familie zu finden.  Ergänzt wird das Buch
durch Einführungen in die historischen Zusammenhänge.

 

 

 

Nordrach-Buch                  Umfangreiche Publikation über das Heim “Schwarzwald” in Nordrach

Dorothee Neumaier
Das Lebensbornheim “Schwarzwald” in  Nordrach
Tectum-Verlag 2017

Hardcover
743 Seiten
ISBN-Nummer 978-3-8288-3960-1
Preis: 49,95 €

Unser Vereinsmitglied, Dr. Dorothee Neumaier hat Ihre Dissertation zum Lebensbornheim  “Schwarzwald”  über den Tectum-Verlag veröffentlicht.  In diesem Buch wird
nicht nur ein umfassender Einblick in das Heim gewährt, sondern auch immer wieder der Kontext zum Gesamtbild des Lebensborn hergestellt. Neben dem Alltag werden
auch die ganz verschiedenen  Lebenswege der Schwestern und Ärzte aufgezeigt.  Schließlich wurde auch der Umgang des Ortes Nordrach mit seiner  Geschichte nach 1945
nicht ausgespart.
Es ist alles in allem eine lesenswerte Lektüre mit vielen neuen Erkenntnissen zu dem “Lebensborn”heim und den handelnden Personen. Trotz der Schwierigkeit des Themas
ist es sehr verständlich geschrieben und enthält im Anhang sehr viele detaillierte Information zu Geburten, Müttern und deren Versorgung. Ein sehr empfehlenswertes Buch.
Die Autorin hat ein Exemplar dem Verein zur Verfügung gestellt.

 

Anbringen einer Tafel am ehemaligen Lebensbornheim Kohren-Sahlis

Von unserem Mitglied Uschi Jaeckel erreichte uns vor einigen Tagen die Information, dass am 27.11.17, 15:00 Uhr am Lebensbornheim Kohren-Sahlis eine Gedenktafel und Schwelle eingerichtet wird . Die Organisatoren würden
sich freuen, an diesem Tag zu dem Anlass auch Betroffene begrüßen zu dürfen. Es wäre sehr schön, wenn jemand auch einen Bericht schreiben könnte, der dann hier veröffentlicht wird

Lebensgeschichten von “Lebensborn”kindern

Buchcover_LudwigAstrid Eggers und Elke Sauer (Hg.)
VERSCHWIEGENE OPFER DER SS. Lebensborn-Kinder erzählen ihr Leben
Engelsdorfer Verlag Leipzig 2015

Paperback, 14,7 x 20,7
227 Seiten
ISBN: 978-3-95744-570-4
12,00 €

Im Auftrag des Vereins “Lebensspuren e. V. erschien im Frühjahr 2015 dieses Buch. Herausgegeben wurde es von zwei Mitgliedern, die auch selbst ihre eigene Geschichte hierin erzählen
Das Besondere an diesem Buch ist vor allem die Unverfälschtheit der Wiedergaben jeder einzelnen Lebensgeschichte – sie wurden alle von den Lebensbornkindern geschrieben und dann
nur auf Schreib- oder ähnliche Fehler redigiert. Der unterschiedliche Sprachstil der 16 Lebensbornkinder, die hier berichten, sollte bewusst erhalten bleiben. Dieser entspricht der Vielfalt
der einzelnen Schicksale, die andererseits über verschiedene deckungsgleiche Teile ihrer Lebensgeschichte verfügen.

Das Buch enthält einem  Beitrag von Dr. Georg Lilienthal.   In  “Der „Lebensborn e. V.“  und seine Folgen ist eine nüchterne Sachdarstellung zum Lebensborn,  seiner Funktion und seiner
Wirkung.  Außerdem ist ein  einleitender  Artikel von Matthias Meißner über den Verein  “Lebenspuren e.V.”  den 16 Darstellungen der Schicksale vorangestellt.  Das Buch kann auch über
die Geschäftsstelle, Veckenstedter Weg 43, in 38855 Wernigerode,oder den 1. Vorsitzenden bezogen werden.

 

Rückblick auf das 13. Jahrestreffen in Wernigerode

Vom 25. bis zum 27. September 2015 fand in Wernigerode das 13. Jahrestreffen der “Lebensborn”kinder statt. Es war ein besonderes Treffen, da vor zehn Jahren hier in Wernigerode der Verein “Lebensspuren e. V.” die Vereinigung der “Lebensborn”kinder in Deutschland gegründet worden war. Bisher hat sich viel getan. So ist es sicher auch ein Verdienst dieses Vereins und seiner Mitglieder, dass das Thema “Lebensborn” indessen mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist. Leider sind dabei nicht alle Diskussionen und Veröffentlichungen von Sachlichkeit  geprägt und fundieren nicht auf dem vorliegenden wissenschaftlichen Kenntnisstand. Immer wieder gibt es Äußerungen zu den “Lebensborn”heimen, sie seien Bordelle oder Stätten gezielter Zusammenführung rassisch erwünschter Männer und Frauen gewesen. Die Fantasien einiger Menschen bringen sogar den Zusammenhang der künstlichen Befruchtungen mit den “nationalsozialistischen Kopulationsheimen”.  Selbst in den öffentlichen Medien von Funk und Fernsehen nehmen derartige Berichte nicht ab. Hiergegen wendet sich der Verein immer wieder in der Öffentlichkeit. Die sachliche und geschichtlich ehrliche Aufarbeitung hat sich der Lebensspuren e.V. auf die Fahnen geschrieben. Erfreulicherweise ist das Interesse der jungen Generation an diesem Thema gewachsen. In öffentlichen Veranstaltungen, in Foren mit Schülern und Studenten sowie bei der Betreuung von entsprechenden Facharbeiten und Projekten stehen immer wieder die Lebensbornkinder mit eigenen Berichten, und Informationen beratend diesen jungen Menschen zur Seite. Der Verein konnte daher in diesem Jahr eine positive Bilanz seines Wirkens ziehen. Hier der ausführliche Bericht.

Rückblick

12. JAHRESTREFFEN des Vereins 2014 in Wernigerode
Hier klicken: Bilder & Impressionen vom 12. Jahrestreffen 2014 in Wernigerode

 

Zahlreich erschienen die ehemaligen Lebensbornkinder zum diesjährigen Jahrestreffen aus dem In- und Ausland.
Es hatten sich auch Gäste angemeldet. Z. B. eine Studentin aus Lissabon, die eine Masterarbeit zum Thema „Der Lebensborn und die heutige Präimplantationsdiagnostik“ schreibt. Aus Norwegen kamen Filmemacher, die eine Dokumentaion über den Lebensborn in Norwegen drehen. Einige Lebensbornkinder erklärten sich bereit, an dem Projekt mitzuarbeiten. Anwesend war auch ein Vertreter der örtlichen Tageszeitung, außerdem ein Journalist von der Neuen Zürcher Zeitung. Er recherchierte über uns beim Jahrestreffen. In der NZZ wurde dann am 16.06.2014 auf einer ganzen Seite über den Lebensborn berichtet, unter anderem auch über unser Jahrestreffen.

Inhaltliche Höhepunkte der Tagung waren zum einen das Referat von Matthias Meißner, u.a. Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Wernigerode zum Thema „Nationalsozialistische Rassenpolitik“ und zum anderen die Podiumsdiskussion „Erinnern – nicht vergessen und verdrängen“ mit der Journalisten Ebba Drolshagen, der Schriftstellerin Gisela Heidenreich und dem Historiker Dr. Georg Lilienthal.

 
Podiumsveranstaltung Erinnern - und nicht vergessen und verdrängen" in der Remise

Podiumsveranstaltung Erinnern – und nicht vergessen und verdrängen” in der Remise

Wer wollte, konnte an einer Besichtigung der Mahn-und Gedenkstätte Wernigerode unter der Führung von Matthias Meißner teilnehmen.
Wir danken allen Teilnehmern für ihr Kommen zur 12.Jahrestagung in Wernigerode.

Bis zum nächsten Treffen 2015 im schönen Harz.

Heide W.

 

„Zeitzeugenbericht“ – Berichte und Gespräche im Stadtfeld-Gymnasium

Am 9.5.2014 besuchten Barbara  K. und ich in Wernigerode das Stadtfeld-Gymnasium, um als Zeitzeugen aus unserem Leben zu erzählen. Wir trafen dort nicht nur auf die Schüler einer  Klasse, sondern insgesamt ca. 85 Schüler und Lehrer folgten interessiert unseren Ausführungen. Obwohl ich schon mehrmals in der Öffentlichkeit von meiner Geburt im „Lebensborn“ und der daraus entstandenen tragischen Familiengeschichte berichtet habe, beschlich mich auch dieses Mal wieder das Gefühl von Scham und Schuld, weil ich weiss, wie sich bis heute die unwahren und unschönen Geschichten über diese Geburtsstätten im Dritten Reich erhalten haben und sogar noch heute im Geschichtsunterricht falsch vermittelt werden. In Wernigerode hatten wir eine sehr interessierte Zuhörerschaft. Die Schüler waren sehr gut auf das Thema vorbereitet. Mir fällt immer wieder auf, wie aufgeschlossen die heutige Jugend  ist und mehr über diese Zeit erfahren will. Wir  konnten mit den Schülern auch diskutieren und ihre Fragen beantworten.

Heilwig W.

 

Barbara K und Heilwig W. beim Gespräch im Stadtfeld-Gymnasium Wernigerode

Barbara K und Heilwig W. beim Gespräch im Stadtfeld-Gymnasium Wernigerode


Ich war bei unserem “Zeitzeugenbericht” vor 85 Schülern des Gymnasiums Wernigerode beeindruckt von der Disziplin, der Art der Fragen, die deutlich machten, dass sie gut vorbereitet waren und uns mit großem Interesse zugehört haben, und der Anteilnahme am Schicksal der Generation der Kriegskinder, insbesondere der Lebensbornkinder. Über 2 Unterrichtsstunden hörten sie uns zu und stellten Fragen, bzw. äußerten einen Standpunkt. Das Echo der anderen Schulen in der Umgebung hat gezeigt, dass diese Art der Vermittlung historischer Fakten die Schüler anspricht und auch weiter genutzt werden sollte.

Barbara K.

Information

Der Verein Lebensspuren e.V. hat in Zusammenarbeit mit den europäischen Kriegskindervereinen die im Netzwerk BOW i . n . zusammengeschlossen sind an die Regierungen der jeweiligen Länder
ein Schreiben mit Fragen zu folgenden Schwerpunkten gerichtet: (Auszug)(Born of War international network)

“Als Kriegskinder des Zweiten Weltkrieges” bzw.als “Lebensbornkinder” haben wir am eigenen Leib erfahren, wie es unseren Müttern ergangen ist und wie schwierig es ist, den leiblichen Vater ausfindig
zu machen und gegebenenfalls kennen zu lernen. Einige von uns kennen bis heute weder Geburtsort noch Herkunft.Auch heutige Friedenseinsätze und daraus mögliche Liebesverhältnisse dürfen keinen
“Krieg gegen Kinder” zur Folge haben. Aus dieser Besorgnis heraus fragen wir Sie,

  • Welche Regelungen gelten im Falle einer Schwangerschaft, um die künftige Mutter zu schützen?
  • Wie verhält es sich mit der Anerkennung der Vaterschaft eines geborenen Kindes ,sowie mit der Regeleung des Unterhalts?
  • Hat das Kind einen Rechtsnspruch seinen Erzeuger zu ermitteln?
  • Sind die Unterlagen des Kindes zugänglich und in welcher Weise schützt man es bei der Suche nach seinem Erzeuger (cf Artikel 8 und 9 der UN Kinderrechtskonvention)?
  • Hat das Kind ein verbrieftes Recht auf die Staatsbürgerschaft des Vaters und ggf. eine Doppelstaatsbürgerschaft, wenn nicht warum?

Die Schreiben sind  Anfang Oktober an den Bundespräsidenten

  • der Bundesrepublik Deutschland,
  • an die Bundeskanzlerin,
  • an die Bundesfamilienministerin, sowie
  • an den Bundesverteidigungsminister

versendet worden.

Im Auftrag der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und des damaligen Bundesministers der Verteidigung Dr. Thoma de Maiziere hat die Bundesfamilienministerin Frau Dr. Christina Schröder am 30.11. 2012 auf unser Schreiben geantwortet. Die Bundesregierung hat sich für das Schreiben bedankt. Man werde darüber nachdenken. Weitere Informationen oder Reaktionen liegen bis heute jedoch nicht vor. Es bleibt zu wünschen, dass die Regierung das Problem ernst nimmt und im Interesse von betroffenen Müttern und Kindern in diesen Ländern eine Lösung bzw. Richtlinien, ggf. gesetzliche Regelungen dafür schafft.

 

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