Aktuelles


Nachruf

Wieder  hat ein  Lebensbornkind  uns  verlassen und  ist  im  Alter  von  fast  77 Jahren entschlafen. Wir haben die traurige Nachricht erhalten, dass am 09.07.2019 unser langjähriges Mitglied Thorleiff Blatt verstorben ist. Er wurde am 14.09.1942 in Norwegen als Sohn einer norwegischen Frau und eines deutschen Besatzungssoldaten geboren. Er hat sich nicht damit zufriedengegeben, sich selbst ein schönes Leben aufzubauen Mit seiner sehr einfühlsamen und zugleich bestimmten Art hat er sich zeitlebens für die Belange der norwegischen Lebensbornkinder eingesetzt. Er verstand es, schon mit kleinsten Gesten überzeugend zu wirken. Noch kurz vor seinem Tode war er am 26. bis 28. Juni mit Knut Papendorf, Siss Oustad und Henny Granum in Berlin und hat in den norwegischen Botschaften der Filmpremiere „Wars Don’t End“ beigewohnt. Man hatte sich noch am 28. Juni mit der Absicht verabschiedet. sich im Oktober zum BOWin-treffen wieder zu sehen. Dazu wird es jetzt leider nicht mehr kommen.

Thorleif Blatt (14.09.1942 – 09.07.2019)

In einer schwierigen Situation für unseren Verein, übernahm er auch bei uns Verantwortung und ließ sich trotz der weiten Entfernung von seiner norwegischen Heimat nach Wernigerode in den Vorstand wählen. Mit seiner Lebenserfahrung, seinen Erfahrungen in der Führung von Vereinen sowie seiner ruhigen und bestimmten Art, aber auch seinem besonderen Sinn für Humor war er uns eine unschätzbare Hilfe. Wir werden ihn stets als einen freundlichen Mann mit festen Prinzipien und Willen in Erinnerung behalten. „Hvil i fred Thorleiff! (Ruhe in Frieden)“

Den Angehörigen gilt unser tiefempfundenes Mitleid.

 

 

 

 

Das war das 16. Jahrestreffen der Lebensbornkinder in Deutschland  vom 31.05-02.06.2019 in Wernigerode

Vom 31. Mai bis zum 02. Juni 2019 fand  das 16. Jahrestreffen der Lebensbornkinder in Deutschland in Wernigerode statt.  Der Schirmherr des Treffens, der ehemalige Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, Sigmar Gabriel musste leider kurzfristig seine Teilnahme absagen. Aus diesem Grunde konnte auch leider das geplante Forum nicht stattfinden. Bisher fanden bei den Treffen in Wernigerode auch Schülerforen statt. Doch in diesem Jahr wurde am 31.05., einen Tag nach Christi Himmelfahrt, an den Schulen ein beweglicher Ferientag angesetzt. Dadurch waren die Schulen geschlossen und die Jugendlichen zu Hause.
Für den Freitagnachmittag wurde ersatzweise ein sehr interessanter Vortrag über die NAPOLA im Harz angeboten. Der Verein “Spurensuche Harzregion e.V.” hatte hier gemeinsam mit Wolfgang Schilling ein Buch herausgegeben, das mit sehr viel Bilddokumenten in Informationen einen tiefen Einblick in die Arbeit dieser Schulen gab. Auch hier musste mit so manchen Mythen aufgeräumt werden. Wie beim Thema “Lebensborn” waren in verschiedenen Filmen, selbst deutscher Produktionen, Darstellungen zu sehen, die ein falsches Bild von der Wirklichkeit enthielten.
Am Abend fanden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Treffens bei guter Musik zu vielen anregenden Gesprächen und persönlichem Austausch in der Remise des Wernigeröder Kunst- und Kulturvereins ein.

Der Samstag begann mit der Mitgliederversammlung des Vereins. Hierbei ging es um die Frage der Perspektivischen Ausrichtung des Vereins, ab er nicht der inhaltlichen, sondern der Frage nach der organisatorischen Struktur. Der Grund hierfür ist naturgemäß in der Altersstruktur des Vereins zu finden. Außerdem galt es, einen neuen Vorstand zu wählen. Im Ergebnis dieser Wahlen wurde der alte Vorstand in seinem Amt bestätigt. Seine Aufgabe wird nun darin bestehen, den Mitgliedern Alternativen für die Perspektive des Vereins aufzuzeigen und vorzuschlagen.

Nach einer kurzen Mittagspause stand wie jedes Jahr am Nachmittag die öffentliche Veranstaltung auf dem Programm. In diesem Jahr stellte Heidi Benneckenstein ihr Buch “Ein deutsches Mädchen” vor. In Ihrem Buch berichtet sie um den politischen Boden, der ihrer Kindheit und Jugend und damit ihrer Erziehung zu Grunde lag. Er nährte Fremdenhass und Intoleranz im Zusammenhang mit Gewaltbereitschaft gegenüber “Anderseienden und Andersdenkenden”. Sa ist auch der Boden, der seinerzeit dem Lebensborn mit seinem Rassenwahn seine Nahrung gab. Trotz seiner verheerenden Folgen für die deutsche Geschichte und das Leid der Völker Europas hat nationalsozialistisches Gedankengut immer noch unbelehrbare Anhänger. Und das nicht nur in der Bundesrepublik. Für die breite Öffentlichkeit hat sich unbemerkt eine Parallelgesellschaft entwickelt, in der mit Drill, Schlägen und Belohnung in militanten Jugendgruppen und Kameradschaften ein Teil der Jugend  auf ein Leben im rechten Hass-Milieu vorbereitet wird.
Heidrun Benneckenstein hatte den Mut auszusteigen und heute engagieren sie sich und ihr Mann für andere, die ebenfalls aus dieser rechten Szene aussteigen wollen. Ihr Buch gibt Einblick in die innere Organisation der rechten Szene. Hier blickt sie noch einmal in die Abgründe dieser Parallelwelt.

Den Sonntagvormittag nutzten viele der Teilnehmer des Jahrestreffens und nahmen den nun fertig aufgearbeiteten, sortierten und katalogisierten Bestand des vereinseigenen Archivs in Augenschein. Mehr als 700 Dokumente, 40 Medien (Filme, Dokumentationen und Audioträger) sowie 65 Bände der Bibliothek stehen Interessierten zur Verfügung. Das Archiv ist aber auch vor allem dafür geschaffen worden, Dokumente und Sachzeugen der Zeitgeschichte aufzunehmen und so für die Nachwelt zu erhalten.

Die Teilnehmer des Treffens haben sich darauf verständigt, sich, so lange es geht, auch in den folgenden Jahren in Wernigerode treffen zu wollen.

 

 

Rückblick auf das 15. Jahrestreffen der Lebensbornkinder in Deutschland  vom 01.-03.06.2018 in Wernigerode

Das 15. Jahrestreffen der in Deutschland geborenen bzw. lebenden „Lebensborn“-kinder fand nicht wie gewohnt Anfang November sondern Anfang Juni statt. Das entsprach dem Wunsch vieler Teilnehmer, das Jahrestreffen in die wärmere Jahreszeit zu verlegen. Da die Vorbereitungszeit von einem Vierteljahr für die Vorbereitung eines Jahrestreffens zu kurz ist, entschied sich der Vorstand dafür, dieses Jahrestreffen erst 2018 durchzuführen und somit 2017 eine Pause einzulegen. Schirmherr des Jahrestreffens war der Oberbürgermeister der Stadt Wernigerode, Peter Gaffert. Zur Eröffnung erschien als sein Vertreter der Dezernent für Gemeinwesen, Herr Christian Fischer, er überbrachte die Grußworte des Schirmherren. Außerdem begrüßte der Fachbereichsleiter, Herr Dirk Michelmann, im Auftrage des Landrates des Landkreises Harz, Herrn Martin Skiebe, die Anwesenden.

Wie schon bei den bisherigen Treffen in Wernigerode fanden vor der offiziellen Eröffnung am Freitagvormittag Schülerforen in Schulen des Landkreises statt. In diesem Jahr wurde die Treffen an der Europaschule Goethe-Sekundarschule Ilsenburg sowie dem Stadtfeldgymnasium organisiert und durchgeführt. Drei „Lebensborn“kinder und Mitglieder des Vereins Lebensspuren e.V. berichteten dort vor interessierten Schülern und stellten sich deren Fragen.
Die Schülerforen finden immer wieder das Interesse der Schulleitungen. Fast ein dreiviertel Jahrhundert nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist die Zahl der Zeitzeugen nicht mehr sehr groß. Für die Nachkriegsgenerationen wir es mit zunehmenden zeitlichen Abstand immer schwerer die damaligen Ereignisse in ihrer Tragweite zu erfassen und wirklich emotional erfassen zu können.

Für den Freitagnachmittag waren zwei Schülerinnen der 12. Klassen aus zwei Schulen des Landkreises eingeladen wurden, die über ihre Hausarbeiten zum Thema „Lebensborn“ berichteten. In diesem kleinen Forum ging es aber nicht vordergründig um die gewonnenen Erkenntnisse. In dem Forum sollte vielmehr aufgezeigt werden, welchen Anstoß es für Beide gab, sich mit dem Thema “Lebensborn” zu befassen. Darüber hinaus ging es um die Fragen, wie Lehrer, Mitschüler und Familie und die Familie auf die Wahl des Themas und die dann in der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse reagierten. Auch ob es einen Erkenntnisgewinn gab, wollten die Anwesenden wissen, und ob sie sich vorstellen könnten, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Nachdem beide Schülerinnen über ihre Hausarbeiten berichtet hatten, standen sie den direkten Nachfragen der Teilnehmer zur Verfügung. Beide Mädchen waren sich in ihrer Beurteilung darin einig, dass die Art und weise der Unterrichtung über den Lebensborn, wie auch der Umfang zu gering sind. Es ist ein Randthema.
Für die Teilnehmer des Forums war es eine aufschlussreiche Veranstaltung. Seit Jahren bemüht sich der Vereine, dass in der Öffentlichkeit und vor allem auch in den Schulen mehr und sachlicher über den “Lebensborn” berichtet wird. Die Schreiben aus dem Jahr 2014 an die Kultusministerkonferenz sowie die Weiterleitung von dort an die Kultusministerien der Länder sowie die Bundesministerin für Bildung und Forschung scheinen trotz positiver Resonanz noch nicht den gewünschten Erfolg zu haben.

Da es das 15. Jahrestreffen des Vereins war, wurde für die Gestaltung am Freitagabend ein anderer Rahmen als in den Jahren zuvor gefunden. Die Teilnehmer trafen sich zu einem gemeinsamen Essen in der Remise. Der Kultur- und Kunstverein Wernigerode e.V. stellte nicht nur kostenlos die Remise zur Verfügung sondern unterstützte den Verein auch mit einem kulturellen Beitrag. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Rainer Schulze, bot ein herzerfrischendes 20minütiges musikalisches Kabarettprogramm.

Im Mittelpunkt des Jahrestreffens stand das Problem der unbewussten Weitergabe von Erlebnissen und damit verbundenen sozialen Erfahrungen an die nachkommenden Generationen. Hierfür konnte Frau Prof. Dr. Angela Moré von der Lebniz-Universität Hannover gewonnen werden. Der Vortrag wurde zugleich als öffentliche Veranstaltung in der Remise des Kunst- und Kulturvereins Wernigerode e.V. angeboten. Die im Vortrag übermittelten Informationen regten die Zuhörer sehr zum Nachdenken an, konnten doch verschiedene der dort gegebenen Darstellungen für den Einzelnen Erklärungen für das eine oder andere eigene Verhalten bieten.

 

 

Buchempfehlungen

 

Gisela Heidenreich (Hg.)9783861539773
Born of War – Vom Krieg geboren. Europas verleugnete Kinder
Ch. Links-Verlag November 2017
Hardcover, 13,5 x 21,0 cm
368 Seiten und 35 Abbildungen
ISBN: 978-3-86153-977-3
Als sich die Wehrmacht gegen Ende des Zweiten Weltkriegs aus den von ihr besetzten Ländern zurückzog, hinterließ sie nicht nur Tod und Zerstörung, sondern auch Hunderttausende von Kindern, die deutsche Soldaten mit einheimischen Frauen gezeugt hatten. Die Frauen wurden von ihrer Umgebung meist geächtet und nicht selten härter bestraft als Kollaborateure. Doch was ist aus den Kindern geworden? In diesem Buch erzählen  Menschen  aus ganz  Europa von ihrem Leben als  »Kinder des Feindes«.  Sie berichte von der  schwierigen  Beziehung zu ihren Müttern,  die ihnen oft ihre wahre Herkunft verschwiegen.  Und von der mühsamen  Suche nach den Vätern,  die  von  der Existenz  ihrer Kinder  bisweilen nichts wussten –  oder auch später  nichts wissen wollten.  Darüber hinaus  schildern Deutsche,   die in  »Lebensborn« – Heimen  zur Welt kamen,   ähnliche Erfahrungen.   Es sind  zutiefst  bewegende Geschichten  über  Zurückweisung und  Misshandlung, Unsicherheit  und  Scham sowie  die schmerzhafte  Suche  nach  der eigenen Identität.  Aber bisweilen auch über das Glück,  spät noch eine zweite Familie zu finden.  Ergänzt wird das Buchdurch Einführungen in die historischen Zusammenhänge.

 

Nordrach-BuchDorothee Neumaier
Das Lebensbornheim “Schwarzwald” in  Nordrach
Tectum-Verlag 2017
Hardcover

743 Seiten
ISBN-Nummer 978-3-8288-3960-1
Preis: 49,95 €

Unser Vereinsmitglied, Dr. Dorothee Neumaier hat Ihre Dissertation zum Lebensbornheim  “Schwarzwald”  über den Tectum-Verlag veröffentlicht.  In diesem Buch wird nicht nur ein umfassender Einblick in das Heim gewährt, sondern auch immer wieder der Kontext zum Gesamtbild des Lebensborn hergestellt. Neben dem Alltag werden auch die ganz verschiedenen  Lebenswege der Schwestern und Ärzte aufgezeigt.  Schließlich wurde auch der Umgang des Ortes Nordrach mit seiner  Geschichte nach 1945 nicht ausgespart. Es ist alles in allem eine lesenswerte Lektüre mit vielen neuen Erkenntnissen zu dem “Lebensborn”heim und den handelnden Personen. Trotz der Schwierigkeit des Themas ist es sehr verständlich geschrieben und enthält im Anhang sehr viele detaillierte Information zu Geburten, Müttern und deren Versorgung. Ein sehr empfehlenswertes Buch.
Die Autorin hat ein Exemplar dem Verein zur Verfügung gestellt.

 

Buchcover_LudwigAstrid Eggers und Elke Sauer (Hg.)
VERSCHWIEGENE OPFER DER SS. Lebensborn-Kinder erzählen ihr Leben
Engelsdorfer Verlag Leipzig 2015
Paperback, 14,7 x 20,7
227 Seiten
ISBN: 978-3-95744-570-4
12,00 €

Im Auftrag des Vereins “Lebensspuren e. V. erschien im Frühjahr 2015 dieses Buch. Herausgegeben wurde es von zwei Mitgliedern, die auch selbst ihre eigene Geschichte hierin erzählen Das Besondere an diesem Buch ist vor allem die Unverfälschtheit der Wiedergaben jeder einzelnen Lebensgeschichte – sie wurden alle von den Lebensbornkindern geschrieben und dann nur auf Schreib- oder ähnliche Fehler redigiert. Der unterschiedliche Sprachstil der 16 Lebensbornkinder, die hier berichten, sollte bewusst erhalten bleiben. Dieser entspricht der Vielfalt der einzelnen Schicksale, die andererseits über verschiedene deckungsgleiche Teile ihrer Lebensgeschichte verfügen.
Das Buch enthält einem  Beitrag von Dr. Georg Lilienthal.   In  “Der „Lebensborn e. V.“  und seine Folgen ist eine nüchterne Sachdarstellung zum Lebensborn,  seiner Funktion und seiner Wirkung.  Außerdem ist ein  einleitender  Artikel von Matthias Meißner über den Verein  “Lebenspuren e.V.”  den 16 Darstellungen der Schicksale vorangestellt.  Das Buch kann auch über die Geschäftsstelle, Veckenstedter Weg 43, in 38855 Wernigerode,oder den 1. Vorsitzenden bezogen werden.

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