Aktuelles

16. Jahrestreffen der Lebensbornkinder in Deutschland  vom 31.05-02.06.2019 in Wernigerode

In wenigen Tagen findet das 16. Jahrestreffen der Lebensbornkinder in Deutschland statt. Vom 31. Mai bis zum 02. Juni 2019 treffen sich die Lebensbornkinder in Wernigerode um sich auszutauschen.  Schirmherr des Treffens ist in diesem Jahr der ehemalige Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, Sigmar Gabriel. Die traditionellen Begegnungen zwischen Lebensbornkindern und Schülern in Schulen am Freitagvormittag werden leider nicht stattfinden können, da an diesem Tag ein beweglicher Ferientag in Sachsen-Anhalt und daher schulfrei ist.

Als öffentliche Veranstaltung am Samstag ist in diesem Jahr eine Buchvorstellung vorgesehen. Anders als bisher geht es dabei nicht direkt um den Lebensborn, aber um ein Thema, das mit dem Lebensborn unmittelbar verbunden ist. Es geht um den politischen Boden, der dem Lebensborn mit seinem Fremdenhass und Rassenwahn sein Nahrung gab. Trotz seiner verheerenden Folgen für die deutsche Geschichte und das Leid der Völker Europas hat nationalsozialistisches Gedankengut immer noch unbelehrbare Anhänger. Und das nicht nur in der Bundesrepublik. Für die breite Öffentlichkeit hat sich unbemerkt eine Parallelgesellschaft entwickelt, in der mit Drill, Schlägen und Belohnung in militanten Jugendgruppen und Kameradschaften ein Teil der Jugend  auf ein Leben im rechten Hass-Milieu vorbereitet wird.

In der öffentlichen Veranstaltung stellt Heidrun Benneckenstein ihr Buch “Ein deutsches Mädchen” vor. Sie wuchs in einer solchen Familie mit nationalsozialistisch geprägter umfassenden Ideologie heran. Mit zwanzig findet sie den Mut auszusteigen. Ihr Buch gibt Einblick in die innere Organisation der rechten Szene. Hier blickt sie noch einmal in die Abgründe dieser Parallelwelt.

Deutschland, Ende der 1990er, ein idyllisches Dorf bei München. In Heidis Familie ist die Zeit stehen geblieben. Als kleines Mädchen wird sie in konspirative Ferienlager der »Heimattreuen Deutschen Jugend« geschickt, wo schon für die Kleinen paramilitärischer Drill auf dem Programm steht. Dort lernt sie auch, das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 in Holz zu sägen. Mit fünfzehn nimmt Heidi an rechten Aufmärschen teil, hetzt gegen Ausländer und prügelt auf einen Fotografen der »Lügenpresse« ein. Heidis Welt bekommt erste Risse, als sie Flex kennenlernt, einen nicht mehr restlos überzeugten Liedermacher aus der rechten Szene. Mit zwanzig vollzieht sie die komplette Kehrtwende, bricht den Kontakt zu ihrer Familie ab, taucht unter, lässt die Welt der alles umfassenden Nazi-Ideologie hinter sich und durchläuft ein Aussteiger-Programm. Dies ist die Geschichte ihrer zwei Leben.
»Benneckensteins Buch ist das Porträt einer Aussteigerin. Es zeigt, wie autoritäre Erziehung und Rassenideologie ein junges Mädchen zu einer überzeugten Nationalsozialistin machten.« (Der Spiegel, 07.10.2017)

Für die Mitglieder des Vereins wird dieses Treffen auch wichtige Entscheidungen bringen müssen. Bedingt durch die Altersstruktur haben sich einige Fragen für die künftige Arbeit ergeben, die nun Antworten und Lösungen bedürfen. Es geht darum wichtige Weichen für die Zukunft des Vereins zu stellen, der sich zum einen als Interessengemeinschaft der in Deutschland geborenen und  lebenden Lebensbornkinder und zum anderen zur Aufarbeitung des Lebensborn versteht.

 

 

Rückblick auf das 15. Jahrestreffen der Lebensbornkinder in Deutschland  vom 01.-03.06.2018 in Wernigerode

Das 15. Jahrestreffen der in Deutschland geborenen bzw. lebenden „Lebensborn“-kinder fand nicht wie gewohnt Anfang November sondern Anfang Juni statt. Das entsprach dem Wunsch vieler Teilnehmer, das Jahrestreffen in die wärmere Jahreszeit zu verlegen. Da die Vorbereitungszeit von einem Vierteljahr für die Vorbereitung eines Jahrestreffens zu kurz ist, entschied sich der Vorstand dafür, dieses Jahrestreffen erst 2018 durchzuführen und somit 2017 eine Pause einzulegen. Schirmherr des Jahrestreffens war der Oberbürgermeister der Stadt Wernigerode, Peter Gaffert. Zur Eröffnung erschien als sein Vertreter der Dezernent für Gemeinwesen, Herr Christian Fischer, er überbrachte die Grußworte des Schirmherren. Außerdem begrüßte der Fachbereichsleiter, Herr Dirk Michelmann, im Auftrage des Landrates des Landkreises Harz, Herrn Martin Skiebe, die Anwesenden.

Wie schon bei den bisherigen Treffen in Wernigerode fanden vor der offiziellen Eröffnung am Freitagvormittag Schülerforen in Schulen des Landkreises statt. In diesem Jahr wurde die Treffen an der Europaschule Goethe-Sekundarschule Ilsenburg sowie dem Stadtfeldgymnasium organisiert und durchgeführt. Drei „Lebensborn“kinder und Mitglieder des Vereins Lebensspuren e.V. berichteten dort vor interessierten Schülern und stellten sich deren Fragen.
Die Schülerforen finden immer wieder das Interesse der Schulleitungen. Fast ein dreiviertel Jahrhundert nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist die Zahl der Zeitzeugen nicht mehr sehr groß. Für die Nachkriegsgenerationen wir es mit zunehmenden zeitlichen Abstand immer schwerer die damaligen Ereignisse in ihrer Tragweite zu erfassen und wirklich emotional erfassen zu können.

Für den Freitagnachmittag waren zwei Schülerinnen der 12. Klassen aus zwei Schulen des Landkreises eingeladen wurden, die über ihre Hausarbeiten zum Thema „Lebensborn“ berichteten. In diesem kleinen Forum ging es aber nicht vordergründig um die gewonnenen Erkenntnisse. In dem Forum sollte vielmehr aufgezeigt werden, welchen Anstoß es für Beide gab, sich mit dem Thema “Lebensborn” zu befassen. Darüber hinaus ging es um die Fragen, wie Lehrer, Mitschüler und Familie und die Familie auf die Wahl des Themas und die dann in der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse reagierten. Auch ob es einen Erkenntnisgewinn gab, wollten die Anwesenden wissen, und ob sie sich vorstellen könnten, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Nachdem beide Schülerinnen über ihre Hausarbeiten berichtet hatten, standen sie den direkten Nachfragen der Teilnehmer zur Verfügung. Beide Mädchen waren sich in ihrer Beurteilung darin einig, dass die Art und weise der Unterrichtung über den Lebensborn, wie auch der Umfang zu gering sind. Es ist ein Randthema.
Für die Teilnehmer des Forums war es eine aufschlussreiche Veranstaltung. Seit Jahren bemüht sich der Vereine, dass in der Öffentlichkeit und vor allem auch in den Schulen mehr und sachlicher über den “Lebensborn” berichtet wird. Die Schreiben aus dem Jahr 2014 an die Kultusministerkonferenz sowie die Weiterleitung von dort an die Kultusministerien der Länder sowie die Bundesministerin für Bildung und Forschung scheinen trotz positiver Resonanz noch nicht den gewünschten Erfolg zu haben.

Da es das 15. Jahrestreffen des Vereins war, wurde für die Gestaltung am Freitagabend ein anderer Rahmen als in den Jahren zuvor gefunden. Die Teilnehmer trafen sich zu einem gemeinsamen Essen in der Remise. Der Kultur- und Kunstverein Wernigerode e.V. stellte nicht nur kostenlos die Remise zur Verfügung sondern unterstützte den Verein auch mit einem kulturellen Beitrag. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Rainer Schulze, bot ein herzerfrischendes 20minütiges musikalisches Kabarettprogramm.

Im Mittelpunkt des Jahrestreffens stand das Problem der unbewussten Weitergabe von Erlebnissen und damit verbundenen sozialen Erfahrungen an die nachkommenden Generationen. Hierfür konnte Frau Prof. Dr. Angela Moré von der Lebnitz-Universität Hannover gewonnen werden. Der Vortrag wurde zugleich als öffentliche Veranstaltung in der Remise des Kunst- und Kulturvereins Wernigerode e.V. angeboten. Die im Vortrag übermittelten Informationen regten die Zuhörer sehr zum Nachdenken an, konnten doch verschiedene der dort gegebenen Darstellungen für den Einzelnen Erklärungen für das eine oder andere eigene Verhalten bieten.

 

 

Buchempfehlungen

 

Gisela Heidenreich (Hg.)9783861539773
Born of War – Vom Krieg geboren. Europas verleugnete Kinder
Ch. Links-Verlag November 2017
Hardcover, 13,5 x 21,0 cm
368 Seiten und 35 Abbildungen
ISBN: 978-3-86153-977-3
Als sich die Wehrmacht gegen Ende des Zweiten Weltkriegs aus den von ihr besetzten Ländern zurückzog, hinterließ sie nicht nur Tod und Zerstörung, sondern auch Hunderttausende von Kindern, die deutsche Soldaten mit einheimischen Frauen gezeugt hatten. Die Frauen wurden von ihrer Umgebung meist geächtet und nicht selten härter bestraft als Kollaborateure. Doch was ist aus den Kindern geworden? In diesem Buch erzählen  Menschen  aus ganz  Europa von ihrem Leben als  »Kinder des Feindes«.  Sie berichte von der  schwierigen  Beziehung zu ihren Müttern,  die ihnen oft ihre wahre Herkunft verschwiegen.  Und von der mühsamen  Suche nach den Vätern,  die  von  der Existenz  ihrer Kinder  bisweilen nichts wussten –  oder auch später  nichts wissen wollten.  Darüber hinaus  schildern Deutsche,   die in  »Lebensborn« – Heimen  zur Welt kamen,   ähnliche Erfahrungen.   Es sind  zutiefst  bewegende Geschichten  über  Zurückweisung und  Misshandlung, Unsicherheit  und  Scham sowie  die schmerzhafte  Suche  nach  der eigenen Identität.  Aber bisweilen auch über das Glück,  spät noch eine zweite Familie zu finden.  Ergänzt wird das Buchdurch Einführungen in die historischen Zusammenhänge.

 

Nordrach-BuchDorothee Neumaier
Das Lebensbornheim “Schwarzwald” in  Nordrach
Tectum-Verlag 2017
Hardcover

743 Seiten
ISBN-Nummer 978-3-8288-3960-1
Preis: 49,95 €

Unser Vereinsmitglied, Dr. Dorothee Neumaier hat Ihre Dissertation zum Lebensbornheim  “Schwarzwald”  über den Tectum-Verlag veröffentlicht.  In diesem Buch wird nicht nur ein umfassender Einblick in das Heim gewährt, sondern auch immer wieder der Kontext zum Gesamtbild des Lebensborn hergestellt. Neben dem Alltag werden auch die ganz verschiedenen  Lebenswege der Schwestern und Ärzte aufgezeigt.  Schließlich wurde auch der Umgang des Ortes Nordrach mit seiner  Geschichte nach 1945 nicht ausgespart. Es ist alles in allem eine lesenswerte Lektüre mit vielen neuen Erkenntnissen zu dem “Lebensborn”heim und den handelnden Personen. Trotz der Schwierigkeit des Themas ist es sehr verständlich geschrieben und enthält im Anhang sehr viele detaillierte Information zu Geburten, Müttern und deren Versorgung. Ein sehr empfehlenswertes Buch.
Die Autorin hat ein Exemplar dem Verein zur Verfügung gestellt.

 

Buchcover_LudwigAstrid Eggers und Elke Sauer (Hg.)
VERSCHWIEGENE OPFER DER SS. Lebensborn-Kinder erzählen ihr Leben
Engelsdorfer Verlag Leipzig 2015
Paperback, 14,7 x 20,7
227 Seiten
ISBN: 978-3-95744-570-4
12,00 €

Im Auftrag des Vereins “Lebensspuren e. V. erschien im Frühjahr 2015 dieses Buch. Herausgegeben wurde es von zwei Mitgliedern, die auch selbst ihre eigene Geschichte hierin erzählen Das Besondere an diesem Buch ist vor allem die Unverfälschtheit der Wiedergaben jeder einzelnen Lebensgeschichte – sie wurden alle von den Lebensbornkindern geschrieben und dann nur auf Schreib- oder ähnliche Fehler redigiert. Der unterschiedliche Sprachstil der 16 Lebensbornkinder, die hier berichten, sollte bewusst erhalten bleiben. Dieser entspricht der Vielfalt der einzelnen Schicksale, die andererseits über verschiedene deckungsgleiche Teile ihrer Lebensgeschichte verfügen.
Das Buch enthält einem  Beitrag von Dr. Georg Lilienthal.   In  “Der „Lebensborn e. V.“  und seine Folgen ist eine nüchterne Sachdarstellung zum Lebensborn,  seiner Funktion und seiner Wirkung.  Außerdem ist ein  einleitender  Artikel von Matthias Meißner über den Verein  “Lebenspuren e.V.”  den 16 Darstellungen der Schicksale vorangestellt.  Das Buch kann auch über die Geschäftsstelle, Veckenstedter Weg 43, in 38855 Wernigerode,oder den 1. Vorsitzenden bezogen werden.

Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen