Rückblick auf die Jahrestagung 2025 und das 20. Vereinsjubiläum

Vom 24. bis zum 26. Oktober fand in Wernigerode das 21. Jahrestreffen der „Lebensborn“-Kinder in Deutschland statt. Dieses Treffen stand auch unter dem Eindruck des 20. Vereinsgeburtstages. Am 06.11.2005 hatten „Lebensborn“-Kinder und deren Angehörige, sowie Historiker und an der Aufarbeitung des „Lebensborn“ Interessierte in der Diesterweg-Schule Wernigerode am letzten Tag ihres 3. Jahrestreffens den Verein. Vorangegangen werden zwei Treffen auf Einladung des Historikers Dr. Georg Lilienthal sowie die Ausstellung über das „Lebensborn“-Heim „Harz“ in der ehemaligen Frauenklinik in der Salzbergstr. 14. Das damals durchaus als Experiment angesehene Vorhaben der Vereinsgründung hatte nicht wirklich eine sichere Perspektive. Und doch war es am Ende ein großer Erfolg. Es entstand über die Jahre hinweg ein ganz besondere Gemeinschaft, die für die Aufklärung über die wahren Hintergründe und Folgen des nationalsozialistischen rassistisch orientierten Vereins kämpfte und andererseits bei der Suche nach den biologischen Wurzeln der einzelnen Betroffenen eine individuelle Hilfe bot. Im Rahmen der Tagungseröffnung hielt das Gründungsmitglied und der langjährige 1. Vorsitzende Matthias Meißner einen Rückblick auf die Entwicklung und die dabei erzielten Erfolge.
Mit einer kleinen Ehrung der früheren Vorsitzenden Astrid Eggers und Matthias Meißner sowie einem kleinen Geburtstagsgeschenk wurde der kleine Jubiläumsakt in Gegenwart des Schirmherren, Herrn Dr. Michael Ermrich, und des Ehrenmitgliedes und ehemaligen Oberbürgermeisters der Stadt Wernigerode, Herrn Ludwig Hoffmann, beendet.
Der feierliche Rückblick wurde würdevoll von der Musikschule Schicker, Wernigerode umrahmt.

Der Nachmittag gehörte dann den Mitgliedern des Vereins. In der Remise wurde Rechenschaft über die Arbeit der letzten drei Jahre abgelegt und anschließend ein neuer Vorstand gewählt. Nach der Erweiterung des Satzungszieles bezgl. der Hinwendung zu anderen Betroffenengruppen im Jahre 2022, bei denen es auch um die systembedingte Trennung von Mutter/Eltern und Kind kam, beschlossen die Mitglieder bereits im letzten Jahr (2024), eine Kooperation mit dem Harz-Verein für Geschichte und Altertumskunde einzugehen. Die Vernetzung der in beiden Vereinen vorhandenen wissenschaftlichen Kapazitäten sowie die Ergänzung in der Öffentlichkeitsarbeit haben diesen Entschluss reifen lassen und auch beim Harz-Verein Interesse geweckt. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich die neuen Möglichkeiten mit Leben füllen lassen. An diesem Nachmittag wurde für die nächsten drei Jahre ein neuer Vorstand gewählt, der gemeinsam mit dem Beirat diesen Prozess koordinieren wird. An der Spieze des Vorstandes stehen weiterhin Sabine Resch-Hoppstock als 1. Vorsitzende und Horst Schulze als 2. Vorsitzender.

Der Samstagmorgen begann mit einer Busrundfahrt durch Wernigerode, vorbei an den Orten, die für den „Lebensborn“ von Bedeutung waren. Insbesondere das ehemalige Gesundheitsamt in der Unterengengasse, das ehemalige Monopol an der Westerntorkreuzung, die ehemaligen Kinderhäuser in der Hermann-Löns-Weg und in der Friedrichstraße, natürlich die Liegenschaft des Heines selbst in der Salzbergstraße/Brockenweg und die ehemalige „Kiel‘ sche Klinik“ sowie das Wohnhaus der Familie Matthießen  „Auf der Marsch“ wurden dabei angefahren. Überall gab Matthias Meißner Ausführungen zur Nutzung und Bedeutung dieser Häuser für den „Lebensborn“.

Am Nachmittag lud der Verein zur öffentlichen Veranstaltung in die Remise ein. Mit dem Thema „Nationalsozialistischer Kindesraub in Europa“ ging der Referent, Dr. Georg Lilienthal, auf eine sehr aktuelle Problematik ein. Er zeigte, dass Kindesraub, auch mit dem Ziel der Auslöschung selbständiger Nationen, ein in der Geschichte immer wiederkehrender Vorgang war und ist. Ob die Entziehung der Kinder indigener Menschengruppen mit dem Ziel der Umerziehung oder auch den tausendfachen Raub  ukrainischer Kinder im Rahmen der gegenwärtigen, russischen Aggression – es verläuft immer nach dem selben Muster. Es wird vom Staat angewiesen und durch spezielle Organisationen geplant und durchgeführt. Die Kinder erhalten neue Namen, mitunter neue Geburtsorte und -daten, kommen in Umerziehungsheime und sind für die Vergabe in Familien geplant. Damit zählt dies zu den Kriegsverbrechen mit dem Ziel, den Untergang einer Nation zu bezwecken. Es handelt sich um ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie es in der UN-Charta 1948 festgehalten wurde. Schon aus diesem Grunde ist dieser Krieg mit der verhöhnenden Bezeichnung „militärische Spezialoperation“ zu verurteilen und hat keinesfalls nur den Sturz der derzeitigen Regierung in der Ukraine zum Ziel, sondern die Einverleibung des Landes. In der anschließenden Diskussion unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Angela Moré wurde sehr deutlich, wie betroffen diese Vorgänge in der Ukraine die „Lebensborn“-Kinder als Opfer einer ebenfalls auch auf Kindesraub ausgelegten Politik macht.

Am Sonntag endete die Tagung schließlich wieder mit der Vorstellung von Büchern und Filmen zum Thema „Lebensborn“. Diese als „Büchertisch“ angelegte Veranstaltung fand seinen Höhepunkt mit der Buchvorstellung „Wer war Ida Matthießen“. In ihrem Buch zeigte die Autorin Dr. Claudia Schicker die Ergebnisse ihrer Recherchen über das Leben der deutschlandweit bekannten Hebamme. Sie zeichnete deren Lebensweg als Romanbiografie, nannte Fakten und stellte das Leben in den Kontext der geschichtlichen Entwicklung Deutschlands. Ein sehr kurzweilig zu lesendes Interessantes Buch, das den Leser durch die Zeit des Kaiserreiches und der Änderung seiner Werteordnung in den Nationalsozialismus sowie die Nachkriegszeit begleitet.

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